Lärmschutz

Herausforderung Lärmschutz

Lärmemissionen zu reduzieren gehört zu den drängendsten Aufgaben im Bahnverkehr. Gerade an vielbefahrenen Streckenabschnitten stellt der Schienenverkehrslärm eine Belastung für die Anwohner dar. Als eines der führenden Waggonvermiet- und Schienenlogistikunternehmen Europas übernimmt die VTG Verantwortung.

 

Wir investieren konsequent in innovative Technologien für Neu- und Bestandswagen, um den Güterverkehr dauerhaft leiser zu gestalten. Unser erklärtes Ziel ist es, die Lebensqualität der betroffenen Menschen zu verbessern und die Zukunft des umweltfreundlichsten Verkehrsträgers Schiene nachhaltig zu sichern.

Schall, der das menschliche Ohr erreicht, wird zunächst als „Geräusch“ bezeichnet. Erst wenn dieses Geräusch außergewöhnlich laut und lang anhaltend ist und zudem als unangenehm empfunden wird, spricht man von Lärm. Dabei ist Lärm keine messbare Größe – er lässt sich lediglich indirekt über die Intensität bzw. die Lautstärke eines Geräuschs erschließen. Um die Lautstärke zu ermitteln, werden der Schalldruck und die Schallfrequenz gemessen und per Umrechnungsskala in Dezibel dargestellt. Interessant ist: In der menschlichen Wahrnehmung entspricht eine Zunahme der Lautstärke um 10 Dezibel einer Verdopplung des Lärms – egal bei wie viel Dezibel das Anfangsgeräusch liegt. Das gleiche gilt umgekehrt: Eine Reduktion der Lautstärke um 10 Dezibel bedeutet für das menschliche Gehör gleich eine Halbierung des Lärms.

Maßnahmen gegen Schienenlärm

Den Lärm an der Quelle reduzieren

Der Verkehrsträger Schiene setzt Maßstäbe in puncto Sicherheit und Umweltschutz – und ist noch dazu beliebt bei der Bevölkerung. Doch anhaltender Schienenlärm bedroht die breite Akzeptanz. Lärmmindernde Maßnahmen wie die Ausrüstung der Waggons mit sogenannten Flüsterbremsen sollen künftig Abhilfe schaffen.

Das Güterverkehrsaufkommen in Europa wächst stetig und damit auch die Lärmbelastung. Ein Teil der nationalen Verkehrshaushalte wird bereits für lärmmindernde Maßnahmen verwendet, allen voran die Errichtung von Schallschutzwänden an Bahndämmen. Deshalb kommen immer häufiger innovative Technologien zum Einsatz, die den Lärm an seiner Hauptquelle eindämmen sollen: im Kontakt zwischen Rad und Schiene.

Bewährte Lösungen für leisen Schienenverkehr...

  • Schallschutzwand (niedrig / hoch)
  • Abschleifen der Schienen
  • Schienenstegdämpfer
  • Schienenschmiereinrichtungen
  • Entdröhnung von Brücken
  • Ausstattung mit Flüsterbremsen (LL-Sohle, K-Sohle, Scheibenbremse)

Flüsterbremsen - effektive Lärm-Stopper

Traditionell bestehen Waggon-Bremssohlen aus Grauguss, einer groben Eisen-Graphit-Mischung. Genau hier setzen aktuelle Maßnahmen zur Lärmminderung an. Neben Maßnahmen, die sich noch in der Erprobung befinden, wie einem Lärm absorbierenden Anstrich für die Radsatzwelle und Schalldämpfern an der Radscheibe verspricht vor allem der Wechsel auf Verbundstoff-Bremssohlen nachhaltige Wirkung.

Diese sogenannten Flüsterbremsen bestehen aus neuartigen Materialmischungen – etwa aus mineralischen Fasern, Kautschuk und Harzen. Ohne den Bremsvorgang zu beeinträchtigen, beugen die Verbundstoff-Bremsklötze einem Aufrauen der Räder effektiv vor. Der Wechsel auf Flüsterbremsen kann eine Lärmreduktion bis zu 10 Dezibel bewirken, was einer Halbierung des Lärms entspricht (siehe Infokasten "Was ist Lärm?"). Um diesen Effekt in einer für das menschliche Ohr wahrnehmbaren Form zu erreichen, müssen jedoch mindestens 90 Prozent aller Wagen eines Zug umgerüstet werden.

K-Sohlen und LL-Sohlen

Für die Ausstattung von Waggons mit leisen Bremssohlen stehen zwei Varianten zur Verfügung: Die K-Sohlen (Komposit-Werkstoff-Sohlen) werden vorrangig bei Neubauwaggons installiert. Mit den 2013 europaweit zugelassenen LL-Sohlen (Low-Noise-Low-Friction-Sohlen) können die Bestandswagen umgerüstet werden. Beiden Sohlenvarianten ist jedoch gemeinsam, dass die Betriebskosten bedingt durch höheren Verschleiß an den Radsatzscheiben deutlich steigen.

 

Förderung der Umrüstung auf leise LL-Sohle durch die INEA

Für die Wagenhalter stellt die Umstellung auf geräuscharme Bremssohlen eine große Herausforderung dar. Tausende von Wagen muss allein die VTG bis Ende 2020 umrüsten – wo immer möglich, im Rahmen von regulären Revisionen, häufig aber auch durch den Einsatz des Mobilen Service oder durch zusätzliche Werksaufenthalte. Das bedeutet nicht nur einen enormen Arbeitsaufwand, sondern auch eine erhebliche finanzielle Belastung – nicht nur durch die Umrüstung selbst, sondern auch, weil LL-Sohlen deutlich höhere Betriebskosten verursachen.

Um diese zusätzliche Belastung für die Schiene abzumildern, fördert die Europäische Kommission mit der „Innovation and Networks Executive Agency“ (INEA) die Umrüstung. Insgesamt 34 Milliarden Euro stehen der INEA zur Verfügung, um bis zum Jahr 2020 mehr als 2000 Projekte in den Bereichen Transport, Energie und Telekommunikation zu unterstützen. Ein zentrales Element der INEA ist die „Connecting Europe Facility” (CEF). Mit der CEF Transport setzt die EU ihre Transportpolitik um; sie ist das wichtigste Instrument zur Finanzierung von Infrastrukturprojekten. Das Ziel: Die Förderung von Investitionen in den Bau neuer bzw. die Modernisierung bestehender Transportinfrastruktur.

Auch die Umrüstung von VTG-Wagen auf LL-Sohle wird im Rahmen des CEF finanziell unterstützt. Vom Fortschritt der Arbeiten haben sich Vertreter der INEA und des BMVI persönlich überzeugt: Bei einem Besuch der Ausbildungswerkstatt VTG Rail Train hat der Mobile Service der VTG gezeigt, wie der Wechsel der Bremssohlen vonstattengeht und was es zu berücksichtigen gilt.

Lärmschutz-Förderung

Lärmschutz bei der VTG

Rund fünf Prozent aller Deutschen fühlen sich durch Schienenlärm belästigt – insbesondere für den Güterverkehr sind Lösungen gefragt. Um die Bevölkerung dauerhaft zu entlasten, baut die VTG ihr Engagement für den Lärmschutz auf der Schiene kontinuierlich aus. Unter anderem durch die Modernisierung der Waggonflotte reduziert das Unternehmen die Geräuschemissionen.

Der Einsatz von Schallschutz-Technologien am Waggon trägt in erheblichem Maße dazu bei, Schienenlärm zu reduzieren. Deshalb stattet die VTG bereits seit 2005 Neubauwaggons mit sogenannten K-Sohlen aus: Die Bremsklötze aus speziellen Komposit-Werkstoffen verhindern, dass das Rad beim Bremsen aufraut. Glatte Oberflächen am Rad und an der Schiene sorgen für ein dauerhaft leises Rollgeräusch. Im August 2014 waren bereits 20 Prozent der europäischen Flotte auf den leiseren K-Sohlen unterwegs. Ziel der VTG ist es, bis zum Jahr 2020 zusätzlich mehrere tausend Wagen mit leiseren K-Sohlen auszustatten.

Schallschutz für die Bestandsflotte

Zudem erarbeitet die VTG ein Konzept, um die Lärmemissionen bei der Bestandsflotte deutlich zu reduzieren. So hat das Unternehmen ein Pilotprojekt mit dem Kunden Evonik gestartet, um bei den vorhandenen Waggons auf LL-Sohlen (Low Noise Low Friction) zu wechseln, die ebenfalls ein Aufrauen der Räder verhindern. Der Vorteil: Die neuartigen LL-Sohlen können die klassischen Grauguss-Sohlen in der Regel ohne weitere Bremsumbauten am Waggon ersetzen. Höhere Betriebskosten sind jedoch sowohl bei K-Sohlen- als auch bei LL-Sohlen-gebremsten Waggons die Konsequenz.

Innovationen für leisen Güterverkehr

Seit Jahren forscht die VTG gezielt an Technologien, um die Schallentwicklung auf der Schiene zu verringern: Derzeit wird beispielsweise ein Anstrich für die Radsatzwelle und die Radscheibe getestet, der Lärm absorbierend wirkt. Außerdem prüft die VTG spezielle Schalldämpfer an der Radsatzscheibe, die Schallentkopplung direkt am Drehgestell-Laufwerk sowie den Einsatz von Scheibenbremsen.

Mit ihren immer neuen technischen Ansätzen setzt sich die VTG aktiv für die Reduktion der Lärmbelästigung ein – und trägt dazu bei, dass der Güterverkehr leiser, umweltfreundlicher und somit noch nachhaltiger wird.

Effektiver Lärmschutz braucht Anreize

Die Umstellung auf lärmmindernde Technologien ist für Wagenhalter mit hohen Investitionen verbunden. Verschiedene Programme zur Lärmschutz-Förderung bieten Anreize, die bestehenden Wagen frühzeitig auf Verbundstoff-Bremssohlen umzurüsten. Dennoch sehen viele Unternehmen hier noch Bedarf.

Bis 2020 soll der Schienenverkehrslärm in Deutschland deutlich und dauerhaft gesenkt werden - das ist das erklärte Ziel der Politik. Zwei Förderprogramme sollen dazu beitragen, dass die notwendigen Maßnahmen zügig umgesetzt werden. Sie erleichtern es Wagenhaltern, ihre Waggons auf die leiseren Verbundstoffbremssohlen umzurüsten und unterstützen den Einsatz von Güterwagen mit lärmmindernden Bremstechnologien.

Lärmabhängige Trassenpreise

Das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) fördert den Umbau jedes Waggons einmalig mit maximal 844 Euro. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Wagenhalter auf K-Sohle oder LL-Sohle umrüsten. Ergänzend zu dieser Förderung hat die DB Netz AG das Lärmabhängige Trassenpreissystem (LaTPS) für Eisenbahnverkehrsunternehmen (EVU) eingeführt. "Leise" Güterzüge erhalten demnach einen laufleistungsabhängigen Bonus in Höhe von 0,05 Euro pro Achskilometer (maximal 211 Euro pro Achse). Dieser Bonus kommt somit den Transport durchführenden Eisenbahnverkehrsunternehmen zugute.

Wagenhalter sehen Änderungsbedarf

Aus Sicht vieler Wagenhalter wird die Kostenbelastung für die Wagenhalter trotz der Förderung durch den Bund und die DB Netz AG nicht ausreichend abgefedert. Unter anderem der Verband der Güterwagenhalter in Deutschland VPI bewertet verschiedene Faktoren des bestehenden Fördersystems als problematisch. So müssen Wagenhalter beispielsweise die jährliche Laufleistung der Waggons durch Bestätigung der Eisenbahnverkehrsunternehmen nachweisen, um eine Kostenerstattung für die Umrüstung von Bestandswagen zu erhalten. Inwieweit die Eisenbahnverkehrsunternehmen diese Bestätigung ausstellen werden, ist jedoch unklar. Ebenso ist nicht geregelt, ob und wie die EVU den oben beschriebenen Trassenpreisbonus an die Wagenhalter weiterleiten werden.

Auch die VTG setzt sich für eine vereinfachte und wirksamere Umrüstungsförderung ein, um die Wettbewerbsfähigkeit des umweltfreundlichen Verkehrsträgers Schiene nicht zu gefährden.